In der Schule lernten wir, daß der Aralsees der viertgrößte See der Erde und der größte See im eurasischen Raum ist. Wir machen uns auf, mit eigenen Augen anzuschauen, was davon noch übrig ist. Die Anfahrt führt über holprige Teerstraßen zunächst nach dem einstigen Fischerstädtchen Moynak. Seit Jahren liegen die Fischwirtschaft, die Konservenfabrik (einst waren bis zu 20.000 Menschen beschäftigt) und die letzten Fischerboote auf dem Trockenen. Die Schiffe sind mitten in einer neuen Wüste, der Aralkum, gestrandet. Moynak liegt 80 Kilometer vom Ufer des Aralsees entfernt. Es ist ein armes und trostloses und ein nicht ungefährliches Leben hier. Die Luft ist verpestet von Pflanzenschutzmitteln und anderen giftigen Ablagerungen. Es wird vom Verzehr lokaler Speisen abgeraten und man sollte sich nicht länger als ein Tag in dem Gebiet aufhalten. Die Menschen die hier leben können den Giften nicht ausweichen und so ist die Sterblichkeit, besonders von Frauen und Kindern, in Moynak stark erhöht.

Nach Moynak geht es über Pisten weiter, um das eigentliche Seeufer zu erreichen. Da die Sonne langsam untergeht, beschließen wir im trockenen Teil des Sees, am Rande des Ustjurt Plateus zu übernachten. Wir steigen aus dem Unimog und der Boden ist bedeckt von Muschelschalen. Eine surreale Situation, wir sehen wie voller Leben der See einst war. Die Gedanken schweifen ab und die Phantasie kreist um die Vorstellung des einstigen Reichtums an Tieren und kehrt zurück zur harten Realität dessen, was davon übrig ist.

Am nächsten Tag erreichen wir nach weiteren 3 Stunden Fahrt endlich das Seeufer des südlichen Teils des Aralsees. Eine eigenartige Stimmung macht sich in uns breit. Kühle Temperaturen und ein starker Wind unterstützen diese Empfindungen in uns. Wieder und wieder diskutieren wir die Gründe der Austrocknung. Es existieren zwei Theorien, nach der Theorie westlicher Wissenschaftler ist die Austrocknung auf den Baumwollanbau und der daraus resultierenden Bewässerung zurückzuführen, also auf die Wasserentnahme, östliche Wissenschaftler gehen davon aus, daß es eine unterirdische Verbindung zwischen Aralsee und kaspischem Meer gibt und das Wasser ins kaspische Meer abfließt. Ein erhöhter Wasserspiegel des kaspischen Meeres untermauert auch dies Theorie.

Ein paar Fakten:
1960 betrug die Wasseroberfläche 68.478 qkm, in etwa die Fläche von Bayern
2014 waren noch 7.297 qkm übrig (Bodensee 536 qkm)

 

Aral Sea from stahlroth on Vimeo.

Pin It on Pinterest

Share This