Zwei Tage wollten wir bleiben und am Ende wurden daraus derer sechs. Der Song Kol liegt auf über 3000 Meter Höhe und die Nomaden bauen hier zwischen Juni und September ihre Sommerlager, das Jailoo. Im kurzen Sommer schießen die Jurten wie Pilze aus dem Boden. Mit den umliegenden von Schnee weiß gepuderten Berggipfeln und dem azurblauen See ist dies eine Szenerie wie von einem anderen Stern.

Anreise

Auf dem Weg zum Song-Kol fragt unser Reisefreund Abijith nach unserem derzeitigen Aufenthaltsort und gibt uns den Tip, daß eventuell die Pässe noch nicht offen sind. Eine Woche vorher war es für ihn nicht möglich von Kochkor hoch zum Song Kol zu fahren. Also machen Herr Möglich und sein Zwillingsbruder The White Mog einen Zwischenstop beim CBT (Community based Tourism Office) in Kochkor um uns mit den aktuellen Information zum Straßenzustand zu versorgen. Tatsächlich ist nur eine von vier Zufahrten für Fahrzeuge offen und zwar die südlichste. Nun gut, dann müssen wir die gleiche Strecke zweimal fahren. Nur gut, das der Weg alles andere als langweilig ist und bei der Ankunft auf dem Plateau über dem See werden wir mit einem gigantischen Sonnenuntergang belohnt.

Nomadenleben

Ganz im Westen treffen wir auf eine kleine Nomadenfamilie, die uns zum Bleiben einlädt. Hierher verirren sich nur selten Touristen zu beschwerlich ist die Anreise. Unsere kleine Gastfamilie, Vater, Mutter und der 14 jährige Sohn, freut sich über Besuch. Und so werden wir gleich zu Tee und Stutenmilch (=Kumys) eingeladen. Kumys, mmmh, da hatten wir doch schon was gehört. Vorsichtig soll man das Trinken angehen, nur nicht zu viel am Anfang. Norbert und Ananda stören sich daran nicht, da wird gleich mal die ganze Tasse geleert. Marco und ich sind die Weicheier, gehen es vorsichtig an, Schlückchen für Schlückchen, trinken nur einen Teil der angebotenen Tasse. Wir haben wohl nicht die Kuhmägen unserer Partner. Und obwohl Kumys so gesund ist und für die Nomadenvölker des zentralasiatischen Raums als Obst und Gemüse Ersatz dient, wird es ganz sicher  zu unser Lieblingsgetränk. Leicht säuerlich und durch die Gärung alkoholisiert spricht es unsere Geschmacksnerven nicht an.

Am nächsten Morgen beginnt der Tag der Nomaden bereits sehr früh. Um sechs Uhr werden zuerst die Kühe gemolken. Später dann werden die Fohlen eingefangen und an einem Seil festgebunden. Für Mutter und Sohn eine harte Arbeit. Die Fohlen bleiben tagsüber an dem Seil, da nur so die Stuten gemolken werden können. Mehrmals am Tag wird gemolken und pro Stute gibt es nur einen Liter Milch. Der Rest bleibt für die Fohlen. Am Abend werden die Fohlen wieder losgebunden und haben in der Nacht ihre Freiheit. Der Tag geht für die Nomadenfamilie weiter mit der Arbeit an den Zelten, die noch nicht ganz fertig gebaut sind und der Verarbeitung von Kuh- und Stufenmilch.  Wie lange diese Familie noch auf die Sommerweide geht, können uns die beiden nicht sagen. Ihre anderen Söhne sind im Studium oder bereits fertig mit damit. Solange sie fit sind meinen beide, kommen sie wieder.

Jurten Bau

Weiter Richtung Norden kommen wir einem sehr viel größeren Jailoo vorbei. Hier haben sich einige Familien zusammengeschlossen, auch Übernachtungen für Touristen werden angeboten. Noch sind nicht alle Jurten aufgebaut und wir haben die Chance den kompletten Aufbau einer Jurte zu beobachten und sogar mit anzupacken. Viele Hände sind notwendig um den Dom, das Dach nach oben zu heben und das Gerüst aus Holzstäben festzubinden. Etwa ein halber Tag vergeht bei geübten Helfern mit dem Bau einer Jurte.

Magische Landschaften

Rund um den See immer wieder Ausblicke bei denen einem die Spucke wegbleibt. Bei wechselhaftem Wetter, von Sonne, Regen, Gewitter, Graupel und Hagel hatten wir alles, immer wieder andere Stimmungen.

 

Und plötzlich vom Sonnenschein zu Regen und Hagel

Song-Köl Lake from stahlroth on Vimeo.

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