Visumbeschaffung

Die Liste der Absurditäten im Zusammenhang mit Turkmenistan fängt bei der Beschaffung des Visums an. Ein Touristenvisum bekommt man nur mit einem dazugehörigem Guide und der Aufenthalt kostet dadurch etwa 200$ pro Tag. Also bleibt für uns nur die Variante mittels eines Transitvisums durch das Land zu reisen. Dieses wird für maximal 5 Tage ausgestellt. Die Liste der benötigten Unterlagen ist jedoch länger als für jedes andere bisher benötigte Visum:

  1. Visum des Landes aus dem man einreist
  2. Visum des Landes in das man ausreist
  3. ausgefülltes Visumantragsformular
  4. ein weiteres Formular
  5. selbst formulierter Brief an das Konsulat mit dem Grund der Reise und der genauen Route
  6. Kopien der Führerscheine
  7. Kopie des Fahrzeugschein
  8. 2 Passphotos pro Person

Bezahlt haben wir für die Schnellerteilung des Visums innerhalb von 10 Tagen 70€ pro Person.

Einreisekosten

Normalerweise sind die Kosten für ein Land durch die Visumgebühr abgegolten. In Turkmenistan ist man ein Meister des Erfindens von Gebühren. So müssen sich Ausländer bei der Einreise registrieren lassen. Das macht erstmal pro Person 12 US$. Für die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug kommt noch einiges mehr dazu:

  1. Vehicle disinfection = 5$
  2. Entry and Transit passage = 50$
  3. Compensation of fuel cost = 53$
  4. Third party liability insurance = 50$
  5. Processing of documents = 5$
  6. Others = 17$

Macht in Summe für Personen und Auto 204 US$. Andere Währungen werden nicht aktzeptiert. Die Einreise selbst war eher unspektakulär. Die Inspektion von Herrn Möglich ging nicht über das normale Maß hinaus, wir haben insgesamt 2 Stunden für die Einreise benötigt.

Ashgabat, die Hauptstadt

Die Anfahrt nach Ashgabat führt durch ein wunderschönes Gebirge, nur leider darf man innerhalb des ca. 20 km langen Grenzkorridors nicht anhalten (was wir aber trotzdem tun, als wir ein paar Steinböcke erblicken und sofort ermahnt werden). Und dann erreicht man Ashgabat, die Stadt in Marmor und Blattgold. Es ist unvorstellbar, nach dem quirligen Iran, kommen wir in eine Wüstenmetropole, die nach der kommunistischen Ära, aus dem Boden gestampft wurde. Geplant wurde durch französische Architekten. Nur die Menschen fehlen. Vierspurige leere Straßen und fast unbewohnte Häuser. Pferdeministerium, Teppichministerium, Präsidentenpalast, Regierungspalast und andere dürfen nicht fotografiert werden.

Im September diesen Jahres finden in Ashgabat die Asienspiele 2017 statt. Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Wie wir erfahren haben werde außer den Athleten keine Ausländer ins Land gelassen. Die Stadien werden aber voll sein, da für die Zeit der Spiele, die Einwohner frei haben und an den Sportveranstaltungen teilnehmen müssen.

Unterwegs im Land

Verlässt man Ashgabat auf der vorgezeichneten Route, ist von dem Glanz der Hauptstadt, bald nichts mehr zu sehen. Unsere Route, die wir nicht verlassen durften, führte auf direktem Weg nach Uzbekistan, 640 km fast schnurgerades. Die Straßen werden je weiter man sich entfernt immer schlechter. Für die letzten 250 km benötigen wir 6 Stunden, unsere Fähigkeiten im Schlaglochslalom wurden zuletzt in Mosambik so gefordert wie hier. Teilweise wurde aus Teer sogar Wellblech. Selbst die Wüste Karakum kann uns nicht begeistern. Die Strecke ist nur öde und langweilig und zehrt an den Nerven des Fahrers.

Brennender Gaskrater

Ein Highlight gibt Richtung Usbekistan auf ca. der Hälfte der Strecke, hier befindet sich eine weitere Absurdität, ein brennender Gaskrater. Der Gaskrater entzündete sich 1972. Wie es dazu kam? Nun eine Geschichte berichtet von einem Hirten, der einen brennenden Autoreifen in den Krater warf. Der Hirte wollte verhindern, daß seine Tiere zu nahe an das Loch gehen und verenden.

Weltkulturerbe Konye-Urgench

Und zu guter letzt, kurz bevor wir das Land wieder verlassen, taucht die große Vergangenheit vor uns auf. Konye-Urgench (oder Kunya-Urgench, Köneürgenç) war eine der wichtigsten Städte entlang der Seidenstraße. Von dem einstigen Glanz ist heute fast nichts mehr erhalten. Besonders die heutige Stadt, mit ihren etwa 30.000 Einwohnern erinnert eher an ärmste afrikanische Städte denn an kulturelle Hochzeit. Der Gegensatz zu Ashgabat könnt größer nicht sein, auf der einen Seite Marmor und Gold, auf der anderen Seit Hütten und Frauen, die Trinkwasser in Eimern über die Straßen tragen. Auch die Weltkulturerbestätte scheint nicht viel Beachtung zu genießen, es gibt zwar einige geteerte Wege und lieblose dahingestellte Hinweistafeln, der einstigen Bedeutung wird dies nicht gerecht.

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